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Update Commercial 2026:
Neue Pflichten im E-Commerce und Verbraucherschutz –
Was Unternehmen jetzt umsetzen müssen

veröffentlicht am 26.02.2026 - Rechtsanwältin Mihriban Bircan-Paul


Widerrufsbutton, verschärfte Kündigungsregeln, neue Verbraucherkreditvorgaben und Barrierefreiheit. Das Jahr 2026 bringt erhebliche regulatorische Änderungen für digitale Geschäftsmodelle.

Für Betreiber von Online-Shops, Plattformen, SaaS-Modellen, Abo-Diensten und Finanzierungsangeboten bedeutet das: Die rechtlichen Anforderungen an die Customer Journey steigen weiter. Wer jetzt nicht strukturiert prüft und nachjustiert, riskiert Abmahnungen, Bußgelder und erhebliche Haftungsrisiken.

Der Widerrufsbutton kommt zum 19. Juni 2026

Nach Bestellbutton und Kündigungsbutton folgt nun derWiderrufsbutton.

Das Bundesjustizministerium hat im September 2025 einen Gesetzentwurf veröffentlicht, der die EU-Richtlinie 2023/2673 in deutsches Recht umsetzt. Vorgesehen ist ein neuer § 356a BGB. Die neuen Vorschriften sollen ab dem 19. Juni 2026 gelten.

Was bedeutet das konkret?

Online-Unternehmer – einschließlich Anbieter von Finanzdienstleistungen und Kreditinstituten – müssen künftig:
Wie beim Kündigungsbutton ist ein Zwei-Stufen-Modell vorgesehen: Erst durch Klick auf den zweiten Button wird die Widerrufserklärung wirksam abgegeben.

Zusätzlich muss der Unternehmer den Eingang des Widerrufs unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger (z.B. per E-Mail) bestätigen.

Unternehmerische Konsequenz

Die Einführung des Widerrufsbuttons betrifft nicht nur das Frontend des Online-Shops, sondern auch: Wer hier technisch nicht sauber implementiert, riskiert Abmahnungen und Unwirksamkeit der Widerrufsabwicklung.

Kündigungsbutton: Rechtsprechung verschärft Anforderungen

§ 312k BGB gilt seit Juli 2022 und verpflichtet Unternehmer, bei online abgeschlossenen Dauerschuldverhältnissen einen Kündigungsbutton bereitzustellen.

Die Rechtsprechung verschärft nun die Anforderungen erheblich.

Entscheidung des Bundesgerichtshof vom 22.05.2025 – I ZR 161/24

Der BGH stellte klar:
Ein Kündigungsbutton ist auch dann erforderlich, wenn „Dauerschuldverhältnis“ ist also funktional zu verstehen, nicht abhängig von laufender Zahlung.

Entscheidung des Kammergericht Berlin vom 18.11.2025 – 5 U 10/25

Ein Login-Zwang zwischen Kündigungsbutton und Bestätigung ist unzulässig. Die Kündigung muss ausdrücklich ohne vorherige Anmeldung möglich sein.

Risiko für Unternehmen

Verstöße gegen § 312k BGB führen nicht nur zu: sondern geben dem Verbraucher nach § 312k Abs. 6 BGB das Recht, den Vertrag jederzeit fristlos zu kündigen.

Für Abo-Modelle kann das wirtschaftlich gravierend sein.

Verschärfung im Verbraucherkreditrecht - „Buy Now, Pay Later“ betroffen

Auch das Verbraucherkreditrecht wird 2026 reformiert.

Der Entwurf zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 sieht vor, dass neue Vorschriften ab 20. November 2026 gelten.

Besonders relevant für E-Commerce:

Künftig können auch folgende Produkte unter die strengen Verbraucherkreditvorschriften fallen: Verschärfte Bonitätsprüfung

Bisher durfte ein Kredit gewährt werden, wenn „keine erheblichen Zweifel“ an der Rückzahlung bestanden. Künftig muss die Rückzahlung „wahrscheinlich“ sein.

Das erhöht das Prüfungsniveau deutlich.

Neue Werbe- und Informationspflichten

Werbung für Kredite muss künftig einen Warnhinweis enthalten, etwa:
„Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld.“

Zudem müssen Kreditgeber bei Zahlungsschwierigkeiten stärker Rücksicht nehmen und etwa: anbieten.

Positiver Aspekt für die Praxis

Die bisher erforderliche Schriftform (mit eigenhändiger Unterschrift) soll weitgehend durch Textform ersetzt werden. Das erleichtert vollständig digitale Abschlussprozesse erheblich.

Barrierefreiheit im E-Commerce bleibt kritisches Compliance-Thema

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG).

Nahezu alle Online-Händler – mit Ausnahme von Kleinstunternehmen – müssen ihre digitalen Angebote barrierefrei gestalten.

Maßgebliche Orientierung: Sechs Monate nach Inkrafttreten zeigt sich: Viele Marktteilnehmer haben die Anforderungen noch nicht vollständig umgesetzt.

Neben Bußgeldern drohen:

Die Gesamtwirkung: Customer Journey unter regulatorischem Dauerbeschuss

2026 zeigt deutlich:
Regulatorische Anforderungen betreffen nicht nur einzelne Informationspflichten, sondern die gesamte digitale Kundenreise.

Widerrufsbutton, Kündigungsbutton, Barrierefreiheit und verschärfte Kreditregeln greifen ineinander.

Unternehmen müssen insbesondere prüfen:

FAQ für E-Commerce-Unternehmer 2026

Ab wann gilt der Widerrufsbutton?

Voraussichtlich ab 19. Juni 2026.

Muss der Kündigungsbutton auch bei Einmalzahlung angeboten werden?

Ja, wenn während der Vertragslaufzeit fortlaufende Leistungen erbracht werden.

Sind „Buy Now, Pay Later“-Modelle künftig reguliert?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen fallen auch zinsfreie oder niedrigschwellige Kredite unter das Verbraucherkreditrecht.

Gilt Barrierefreiheit für kleine Online-Shops?

Mit Ausnahme von Kleinstunternehmen grundsätzlich ja.

Fazit: Proaktive Compliance sichert Wettbewerbsfähigkeit

Die regulatorische Dichte im digitalen Geschäftsverkehr nimmt weiter zu. Unternehmer, die frühzeitig prüfen und anpassen, vermeiden:

Reaktive Korrekturen sind regelmäßig teurer als strukturierte Prävention.

Rechtliche Unterstützung für digitale Geschäftsmodelle

Als auf Arbeits- und Wirtschaftsrecht spezialisierte Rechtsanwältin mit Fokus auf unternehmerische Compliance und digitale Geschäftsmodelle unterstütze ich Unternehmen bei: Wenn Sie Ihre E-Commerce-Struktur rechtlich prüfen lassen möchten, begleite ich Sie gerne bei einer strukturierten Compliance-Analyse.

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