veröffentlicht am 19.12.2025 -
Rechtsanwältin Mihriban
Bircan-Paul
Nachhaltigkeit, Transparenz, Daten & Haftung – was wirklich relevant ist
Das Jahr 2026 bringt für Unternehmen keine Einzelreform mit Knalleffekt, wohl aber eine
deutliche Verdichtung
regulatorischer Pflichten. Im Fokus stehen
Nachhaltigkeitskommunikation, Entgelttransparenz, Datennutzung,
Produkthaftung und Compliance-Strukturen.
Für Geschäftsführung und Inhaber:innen gilt: Nicht reagieren, sondern vorbereiten.
1. Greenwashing: Nachhaltigkeitsaussagen werden haftungsrelevant
Warum das für Unternehmen kritisch ist
Mit der neuen EU-Greenwashing-Richtlinie (EmpCo) wird Nachhaltigkeitskommunikation erstmals klar justiziabel.
Was Unternehmen 2026 beachten müssen
- Aussagen wie „klimaneutral“, „nachhaltig“, „CO₂-frei“ sind nur zulässig, wenn:
- sie objektiv belegbar sind,
- die Berechnungsgrundlagen transparent offengelegt werden.
- Auch Umweltsiegel und Labels unterliegen strengeren Anforderungen.
Risiko
- Abmahnungen durch Wettbewerber
- Bußgelder
- Reputationsschäden
- Haftungsrisiken für Geschäftsführung
2. Entgelttransparenz: Neue Pflichten für Arbeitgeber
Die Entgelttransparenzvorgaben werden 2026 deutlich verschärft und betreffen nicht mehr nur Großkonzerne.
Relevante Punkte für Unternehmen
- Erweiterte Auskunfts- und Dokumentationspflichten
- Pflicht zur Rechtfertigung geschlechtsbezogener Entgeltunterschiede
- Transparenz bereits früh im Bewerbungsprozess
Praxisfolgen
- Unstrukturierte Vergütungssysteme werden zum Risiko
- Fehlende Dokumentation kann zu Ansprüchen und Nachzahlungen führen
3. Data Act: Mehr Daten nutzen – aber rechtssicher
Der EU Data Act tritt 2026 in die nächste Umsetzungsphase und betrifft insbesondere Unternehmen mit:
- digitalen Produkten,
- Maschinen,
- IoT-Systemen,
- datenbasierten Geschäftsmodellen.
Was sich ändert
- Mehr Zugriffs- und Nutzungsrechte an Produktdaten
- Gleichzeitig neue Pflichten zur Datensicherheit, Governance und Vertragsgestaltung
Wichtig für Unternehmen:
Daten werden wirtschaftlich wertvoller, aber rechtlich sensibler.
4. Erweiterte Produkthaftung: Mehr Verantwortung für Unternehmen
Die Produkthaftung wird ausgeweitet, insbesondere bei:
- digitalen Produkten,
- Software,
- KI-gestützten Funktionen.
Konsequenzen
- Höhere Anforderungen an Produktsicherheit und Dokumentation
- Erweiterte Haftungsrisiken bei Sicherheitsmängeln
Relevant für:
Produzierende Unternehmen, Tech-Unternehmen, Plattformbetreiber
5. Lieferketten- & Verpackungsrecht: Fokus verschiebt sich
Lieferkettengesetz
Für 2026 wird eine pragmatischere Umsetzung erwartet:
- risikobasierte Ansätze,
- weniger Formalismus,
- stärkere Konzentration auf wesentliche Risiken.
Verpackungsrecht
Gleichzeitig steigen die Anforderungen:
- Mehr Verantwortung für Verpackungen,
- Fokus auf Reduktion, Wiederverwendung, Recycling.
Unternehmensrelevant:
Compliance statt Symbolpolitik.
6. Cybersicherheit: Organisationspflicht der Geschäftsführung
Cybersicherheit ist spätestens 2026 keine IT-Frage mehr, sondern
eine Organisations- und Haftungspflicht der Geschäftsleitung
Unternehmen müssen:
- Risiken systematisch erfassen,
- Schutzmaßnahmen dokumentieren,
- Zuständigkeiten klar festlegen.
Sicherheitslücken können
haftungsrechtliche Folgen haben.
7. Chance statt Risiko: Forschungszulage gezielt nutzen
Nicht nur Pflichten, sondern auch echte Chancen:
Forschungszulage 2026
- höhere Bemessungsgrundlage
- zusätzliche Gemeinkostenpauschale
Besonders relevant für:
- innovative KMU
- Tech- und Entwicklungsunternehmen
- Digital- und Industrieunternehmen
Fazit: 2026 wird kein Gesetzesjahr, sondern ein Haftungsjahr
Für Unternehmen bedeutet 2026:
- Mehr Transparenzpflichten
- Mehr Dokumentationsanforderungen
- Mehr Haftungsnähe für Geschäftsführung
Wer frühzeitig:
- Marketing rechtlich absichert,
- Vergütungsstrukturen überprüft,
- Daten- und Compliance-Prozesse sauber aufsetzt,
vermeidet Risiken und bleibt wettbewerbsfähig.
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